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Trainer Ibo Ücel zieht bei HSG Hanau II die Reißleine
Foto: HSG HANAU
Pressebericht Männer 2
Donnerstag, 26.02.2026 - 417 Klicks
Trainer Ibo Ücel zieht bei HSG Hanau II die Reißleine
„Ich hinterfrage mich selbst“

Während des Heimspiels gegen Schlusslicht SG Babenhausen fieberte auch Ibo Ücel mit seinen Oberliga-Handballern der HSG Hanau II mit – aber nicht mehr, wie in den vergangenen anderthalb Jahren, von der Bank direkt am Spielfeldrand aus, sondern per Live-Ticker von seinem Zuhause in Wiesbaden. In der Faschingspause hatte er sein Traineramt bei der Hanauer Drittliga-Reserve zur Verfügung gestellt (wir berichteten) – aus zweierlei Gründen: berufliche Neuorientierung auf der einen und das Missverhältnis von zeitlichem Aufwand und Ertrag auf der anderen Seite. „Ich hatte das Gefühl, wir agieren mit angezogener Handbremse, und ich habe die Mannschaft nicht mehr erreichen können“, sagt Ücel. Deshalb zog er selbst die Konsequenzen und bat um Auflösung seines Vertrages. Interimistisch in die Bresche sprang Torwarttrainer Max Gronostay, der weiterhin unterstützt wird von Co-Trainer Björn Christoffel.

Einzig gegen TuS Griesheim chancenlos

„Mein Herz schlägt nach wie vor für die HSG Hanau.“ Ibo Ücel geht im Guten, nimmt – bis auf die Verletztenmisere – nur Positives mit. „Obwohl unser Abwehrbollwerk sowie Top-Torjäger Torben Scholl und Falk Steiner ausgefallen sind, steht die HSG II auf dem dritten Platz in der Oberliga. Ich bin sicher, dass wir mit voller Kapelle als Aufstiegsaspirant an der Spitze stehen würden“, sagt der Ex-Trainer, der nur in der Partie gegen seinen Ex-Club TuS Griesheim seine Mannschaft als wirklich chancenlos bezeichnete. „In den anderen verlorenen Spielen hatte ich eigentlich immer das Gefühl, dass wir überlegen sind“, sagt er und zählt acht verschenkte Punkte.

Als die Grimmstädter nach der Saison 2023/24 abgestiegen sind, wollten sie mit ihrem neuen Coach Ibo Ücel am liebsten auch stande pedes wieder in die höchste Liga Hessens zurückkehren. „Wir waren personell top aufgestellt und hatten eine hohe Trainingsbeteiligung“, war auch der akribisch arbeitende Trainerfuchs mit den Bedingungen hochzufrieden. Letztlich scheiterte die HSG-Zweite knapp als Vizemeister hinter dem TV Groß-Umstadt. Handball-Experten aus der Region rechneten damit, dass sich die Hanauer mit Regionalliga-Absteiger Rodgau Nieder-Roden II in dieser Saison den Titel streitig machen würden. „Aufgrund des veränderten Kaders und vieler Verletzungen standen schon die Vorbereitung und der Saisonstart unter keinem so guten Stern“, stellt Ücel fest. Es rückten zwar potenzielle Nachwuchstalente nach, aber nachdem erste Punkte liegengelassen wurden, wuchs in den Köpfen der Spieler ungewollt die Überzeugung: „Das wird wieder nichts.“ De facto heißt das: „Wir sind wiederholt an uns selbst gescheitert, mit mangelnder Konzentration im Abschluss“, sagt Ibo Ücel, der gerne viel investiert hat – mit Einzelgesprächen, Videos und verschiedensten Maßnahmen. „Vermutlich habe ich aber nicht die richtigen Mittel gefunden.“ Er war selbst Spieler und kann verstehen, dass „man mit den immer gleichen Ansagen irgendwann ‚durch‘ ist“.

Ibo Ücel weiß, dass er als Trainer viel verlangt und hart einfordert: „Ich hinterfrage mich aber auch selbst und bin letztlich verantwortlich für das, was gespielt wird.“ Deshalb hat er die Reißleine bei der HSG Hanau II gezogen. Schon jetzt trudelten bei dem Wiesbadener erste Anfragen anderer Vereine ein. „Für mich muss eine klare Vision vorhanden sein – so wie es bei der HSG Hanau der Fall ist, wie sie ihre Talente integriert und auf höhere Aufgaben vorbereitet“, erklärt der Verfechter von modernem Handball. Er wird dem Sport auch weiterhin treu bleiben („Handball macht mir Spaß“) und wird sich bis zu seiner neuen Aufgabe weiterbilden, um up to date zu bleiben. Dazu wird er sich viele Spiele und Videos ansehen, aber sich dabei nicht etwa zurücklehnen. „Ich arbeite an meiner Fitness“, sagt der Hobby-Padel-Tennisspieler. Außerdem nutzt er die Zeit für sein Umfeld und spontanen Aktivitäten.

Eine gewisse Zeit nimmt sich auch der HSG-Handballvorstand für die Trainernachbesetzung. „Es laufen noch keine Gespräche“, verrät Abteilungsleiter Reiner Kegelmann, der die Entscheidung von Ibo Ücel sehr bedauert: „Ibo hat sehr akribisch gearbeitet.“ Momentan baut der Verein auf den engagierten Max Gronostay und dessen Co-Trainer Björn Christoffel als Übergangslösung. „Die Spieler aus dem Perspektivkader haben bei uns verschiedene Ansprechpartner – das ist gut für ihre Entwicklung“, macht Kegelmann deutlich. Bis zum Saisonende sind noch neun Spiele zu bestreiten. Der Auftakt für das Duo Gronostay/Christoffel ist erfolgreich gelaufen – jetzt soll der Schwung mitgenommen werden, um auch weiterhin zu den „Top 3“ der Oberliga zu gehören.


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