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„Für mich bedeutet Heimat, wieder nach Hause zu kommen“
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Dienstag, 17.02.2026 - 82 Klicks
„Für mich bedeutet Heimat, wieder nach Hause zu kommen“
HSG-Abwehrchef Dziugas Jusys im Interview vor dem Heimspiel gegen Melsungen II

Dziugas Jusys ist 27 Jahre alt, wurde in Vilnius geboren und kam bereits in frühester Kindheit mit dem Handballsport in Berührung. Der sportliche Weg seiner Mutter führte den heutigen Abwehrchef der HSG Hanau einst nach Deutschland – eine weitreichende Entscheidung mit nachhaltigen Auswirkungen auf sein Leben und seine persönliche Entwicklung. Vor dem Heimspiel gegen die MT Melsungen II am Freitagabend (20:15 Uhr) hat sich unsere Reporterin Klara Haase mit Dziugas zum Interview verabredet. Im Gespräch erzählt der sympathische Kreisläufer von familiären Werten, prägenden Nationalmannschafts-Einsätzen und davon, was Heimat für ihn wirklich bedeutet.

Hallo Dziugas, wie geht es Dir?

Jusys: „Mir geht es super! So ein freies Wochenende tut auch mal gut.“

Konntest du das spielfreie Wochenende gut nutzen? Bist du an solchen Wochenenden eher aktiv oder genießt du es, mal frei zu haben?

Jusys: „Ich nutze die freien Tage auf jeden Fall, um mal nicht in der Halle zu sein. Was ich gerne mache, sind Thermenbesuche und Sauna, damit der Körper mal regeneriert. Ansonsten verbringe ich meine Zeit mit der Familie, da das sonst zu kurz kommt.“

Du bist in der Hauptstadt Litauens, Vilnius, geboren – bist Du dort auch aufgewachsen?

Jusys: „Ich war zehn Monate alt, als wir nach Deutschland gekommen sind. Zu dem Zeitpunkt ist meine Mutter in die Bundesliga gewechselt. Das hat uns zum Umzug bewegt.“

Wie hat deine Heimat dich als Mensch und Sportler geprägt?

Jusys: „Ich habe nur kurz dort gelebt und auch das Handballspielen habe ich dann in Deutschland gelernt. Mein Vater und meine Oma wohnen aber noch dort. Demnach habe ich immer noch einen starken familiären Bezug zu Litauen.“

Mit fünf Jahren hast Du angefangen Handball zu spielen. Wie kam es dazu und weißt du noch, was dich damals am meisten begeistert hat?

Jusys: „Ich habe meine gesamte Kindheit schon in der Halle verbracht. Die Entscheidung wurde mir in dem Sinne ein bisschen abgenommen, was jedoch keineswegs schlecht ist. In Sulzbach am Main habe ich dann schon bei den Minis begonnen.“

Du hast es eben schon angesprochen: Dein sportliches Vorbild ist deine Mutter, Aida Jusiene, die als Spielerin Anfang der Nullerjahre in der Frauen-Bundesliga für den 1. FC Nürnberg aktiv war. Was genau bewunderst Du an ihr?

Jusys: „Den Mut, den sie damals hatte, als sie mit mir als Baby nach Deutschland kam. Immerhin war es ein fremdes Land, mit einer ihr fremden Sprache. Ich bin dankbar dafür, dass sie mich immer mitgenommen hat. Wie schon erwähnt, verbrachte ich meine halbe Kindheit in der Halle. Aber auch Auswärtsspiele haben mich sehr begeistert. Am bewundernswertesten ist aber die Tatsache, dass sie ihre Ziele und Träume stets verfolgt und diese auch erreicht hat.“ 

Welche Werte hat Aida dir mitgegeben, die Du heute auf dem Spielfeld lebst?

Jusys: „Von ihr habe ich gelernt, dass das Miteinander auf dem Platz das Wichtigste ist und dass es einen starken Willen braucht, um seine Ziele zu erreichen.“

2018 hast du an der U20-EM in Mazedonien teilgenommen. Welche Erinnerungen verbindest du mit diesem Turnier?

Jusys: „Das Spannendste waren die ganzen vier Wochen, die ich dann weg von zu Hause war. Davon waren die ersten zwei Wochen vorbereitendes Trainingslager in Litauen.  Anschließend ging es für weitere zwei Wochen zum Turnier nach Mazedonien. Das Training, die Spiele und das Land waren sehr aufregend. Ohne dieses Turnier wäre ich vermutlich nie nach Mazedonien gereist. Das war ein einmaliges Erlebnis.“

Du hast bereits fünf A-Länderspiele für Litauen bestritten. Wie fühlt es sich an, das eigene Land auf internationaler Bühne zu vertreten?

Jusys: „Das ist natürlich etwas ganz anderes, da man nicht als Team eingespielt ist. Man trifft sich häufig zum ersten Mal, trainiert vier, fünf Tage und muss im Anschluss ein Spiel gegen deutlich leistungsstärkere Teams bestreiten. Es wird einem viel abverlangt, auch durch das extrem hohe Pensum.“

Unterscheiden sich Länderspiele stark von den gewohnten Drittliga-Spielen?

Jusys: „Technisch und körperlich auf jeden Fall. Das Gute an den Begegnungen war, dass ich vieles daraus mitnehmen konnte. Ich habe viel von den älteren Spielern, die unter anderem Champions League oder Bundesliga spielen, gelernt.“

Was war bislang dein emotionalster Moment im Handball?

Jusys: „Im Jugendbereich war das die Deutsche Meisterschaft mit dem TV Großwallstadt. Aber auch die Spiele mit der Nationalmannschaft, natürlich.“

Dein Motto lautet „immer 110% geben“. Wie gehst Du das an?

Jusys: „Indem ich an mein persönliches Maximum gehe. Sowohl körperlich als auch mental. Um vor Spielen den Fokus zu finden, habe ich mir angewöhnt, gewisse Fingerspiele zu machen. Das habe ich damals von meinem ehemaligen Athletiktrainer des TV Großwallstadt, Lukas Fecher, mitgenommen und bis heute beibehalten.“

Wie motivierst Du dich an Tagen, an denen es vielleicht nicht so gut läuft?

Jusys: „Wir sind mit 20 Spielern eine relativ große Mannschaft. Wenn ich merke, dass ich heute nicht an meine maximale Leistung komme, versuche ich zumindest für die anderen da zu sein. Handball ist nun einmal ein Teamsport. Wenn es bei mir nicht läuft, helfen die anderen. Das motiviert mich wiederum, für meine Mannschaftskameraden volle Leistung zu bringen, falls es bei ihnen mal nicht laufen sollte.“

Was unterscheidet dich von anderen Kreisspielern?

Jusys: „Mein Gewicht (lacht). Jeder Spieler ist unterschiedlich und hat jeweils Stärken und Schwächen. Etwas, was nicht zu meinen Stärken zählt, ist zum Beispiel Schnelligkeit. Dafür habe ich womöglich mehr Kraft als andere.“

Trägst Du Verantwortung für eine gewisse Aufgabe oder ein „Amt“ innerhalb der Mannschaft?

Jusys: „Ich bin für den Hallenschlüssel verantwortlich. Da ich immer einer der ersten in der Halle bin, habe ich diesen Dienst freiwillig von Julian Fulda übernommen. Außerdem kümmere ich mich um die Kleiderordnung. Ich gebe also an, was getragen wird. Teil des Mannschaftsrats bin ich auch.“

Wer ist in der Kabine für die beste Stimmung verantwortlich?

Jusys: „Für gute Stimmung vorm Spiel würde ich mal Max Bergold nennen. Der Cedric Schiefer ist nach einem wichtigen Sieg essentiell für die witzige Musik in der Kabine.“

Dein Lieblingsreiseziel ist Litauen – was vermisst Du dort am meisten, wenn Du in Deutschland bist?

Jusys: „Definitiv meine Oma. Sie vermisse ich sehr.“

Was bedeutet Heimat für dich?

Jusys: „Für mich bedeutet es, wieder nach Hause zu kommen. Das klingt vielleicht erstmal ein wenig unbegründet, da ich dort nicht aufgewachsen bin. Für mich ist es aber trotzdem eine Möglichkeit abzuschalten. Weg vom stressigen Alltag in Omas Haus. Dort machen wir immer Sommerurlaub, ohne fließendes Wasser, mit dem besten Essen und mit viel Gartenarbeit. Das ist ein angenehmer Facettenwechsel.“

Gibt es einen Traum abseits des Handballs, den Du dir noch erfüllen möchtest?

Jusys: „Mein Traum ist es, ein guter Vater zu werden. Vor allem hinsichtlich des Nachwuchs, den wir bald erwarten. Außerdem ist es mir wichtig, der Familie in Zukunft so viel Zeit wie möglich zu widmen.

Welche Botschaft möchtest Du jungen Handballern mit auf den Weg geben?

Jusys: „Glaube an deine Ziele. Wenn Du dir etwas vornimmst, kannst Du es auch erreichen.“

Am Freitagabend (20:15) erwartet ihr MT Melsungen II in der Main-Kinzig-Halle, gegen die ihr im Hinspiel ein knappes Unentschieden erzielt habt. Nun habt ihr euch auf Tabellenplatz 4 deutlich von der Bundesliga-Reserve abgesetzt. Was sind die Aussichten für das zweite Aufeinandertreffen, diesmal vor dem Blauen Block?

Jusys: „Wichtig für uns ist es, zu versuchen, den Schwung von den letzten Spielen wieder mitzunehmen und somit unsere erfolgreiche Serie weiter fortzuführen. Das Hinspiel war nicht einfach, am Anfang der Saison hatten wir noch nicht den Lauf, den wir jetzt haben. Am Freitag wollen wir uns die nächsten zwei Punkte sichern und uns somit weiter im oberen Drittel festigen. Optimal wären im Zuge dessen unter 29 Gegentoren und mindestens 35 eigene Treffer, sodass der Axel uns wieder eine Kiste Bier ausgeben darf (lacht).“

Dafür drückt der Blaue Block euch die Daumen. Vielen Dank für deine Zeit!

Quelle: Klara Haase vom 17.02.2026
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