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Siebenmeter-Ass in neuer Rolle
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Pressebericht Männer 1
Samstag, 26.11.2022 - 2738 Klicks
Siebenmeter-Ass in neuer Rolle
INTERVIEW Maximilian Bergold von der HSG Hanau hat als Linksaußen seinen Torriecher neu entdeckt

Im Kader von Handball-Drittligist HSG Hanau ist Maximilian Bergold einer der alten Hasen - obwohl der Rechtshänder gerade einmal 26 Jahre alt ist. Seine Erfahrung macht sich für Bergold auch in dieser Saison auf dem Spielfeld bezahlt, denn er führte die Torschützenliste der Süd-West-Staffel der 3. Liga zeitweise an und überzeugte bisher vor allem bei den Strafwürfen. Der Torjäger hat vor dem Heimspiel am Samstag gegen die HSG Friesenheim-Hochdorf II (18 Uhr, Main-Kinzig-Halle) über den großen Umbruch der HSG in diesem Sommer, die veränderte Spielphilosophie und seine neue Rolle im Team gesprochen - und darüber, wen er an der Siebenmeterlinie nicht in seinen Kopf lässt.

Herr Bergold, Sie sind seit der A-Jugend bei der HSG Hanau, haben den Drittliga-Aufstieg mitgemacht und mit dem Verein zweimal an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teilgenommen. Im Sommer haben viele Ihrer langjährigen Mitspieler den Verein verlassen, wie haben Sie diesen Umbruch wahrgenommen?

Einerseits war es für den Verein selbstverständlich ein herber Verlust, denn da haben ja große Persönlichkeiten wie Marius Brüggemann, Sebastian Schermuly oder Yaron Pillmann den Verein verlassen. Andererseits hat das auch den Weg bereitet für neue Gesichter und andere Umstellungen, zum Beispiel auf fünf Trainingseinheiten pro Woche. Mit den Abgängen haben wir somit zwar individuelle Qualität abgegeben, können im Training jetzt aber auch intensiv arbeiten und viel investieren, um uns weiter zu verbessern.

Neben Umstellungen im Trainingsumfang hat sich aber auch auf dem Spielfeld einiges verändert. Wie erleben Sie als Spieler diese Neuerungen?

Ja, unsere Spielphilosophie hat sich stark verändert. Wir haben jetzt viel junges, frisches Personal und können noch mehr aufs Tempo drücken. Außerdem haben wir zum Beispiel in der Abwehr einen klaren Matchplan, aus dem keiner ausbricht. Meiner Meinung nach ist das der Grund dafür, warum unsere Abwehr so stabil steht und weshalb wir bisher nur so wenige Gegentore hinnehmen mussten.

Ihre eigene Rolle hat sich in dieser Saison auch verändert: Statt als Rückraumschütze treten sie als Linksaußen in Erscheinung, erzielen Ballgewinne, laufen Tempo-Gegenstöße. Wie fühlen Sie sich in Ihrer neuen Rolle?

Hannes Geist und Oliver Lücke kamen vor der Saison auf mich zu und fragten mich, ob ich mir vorstellen könnte, auf Linksaußen zu spielen. Für mich war schon immer klar, dass ich mich in den Dienst der Mannschaft stelle und da spiele, wo ich gebraucht werde. Ich bin auf Linksaußen zufrieden, durch unser Abwehrsystem mit einer kompakten Mitte haben wir auf den Außenpositionen die Freiheit, aktiver zu agieren, uns Bälle zu erarbeiten und für einfache Tore zu sorgen - das ist ein großer Unterschied zum System in den Jahren zuvor.

Die Torschützenliste der Süd-West-Staffel haben Sie zeitweise angeführt, der Wechsel auf Linksaußen scheint sich also gelohnt zu haben. Wie bewerten Sie Ihren persönlichen Saisonverlauf?

Der ist vermutlich exemplarisch für die gesamte Mannschaft, denn da gab es bisher einige Schwankungen und ich habe definitiv noch Verbesserungspotenzial - aber dafür, dass ich die erste Saison richtig auf dieser Position spiele, bin ich schon ganz zufrieden. Ich freue mich selbstverständlich, wenn ich mit meinen Toren dem Team helfen kann, aber mir ist es lieber, wenn wir gewinnen und ich nur wenige Tore werfe, als wenn ich zehnmal treffe und wir verlieren. Und so oder so ist klar, dass meine Mitspieler immer viel Vorarbeit leisten, damit ich treffe - seien es die Halbspieler, die mich in Szene setzen oder seien es unsere Kreisläufer, die Siebenmeter herausholen.

Gerade bei den Siebenmetern hatten Sie bisher ein gutes Händchen, kein anderer Spieler der Liga kommt auf derart viele verwandelte Strafwürfe wie Sie. Studieren Sie die gegnerischen Torhüter im Vorfeld auf Video oder haben Sie bestimmte Tricks, um so zuverlässig zu treffen?

Nein, auf die gegnerischen Torhüter schaue ich nicht, denn die will ich gar nicht erst in meinen Kopf lassen. Stattdessen arbeite ich an mir: Ich versuche, mehrmals pro Woche nach dem Training noch möglichst viele Siebenmeter zu werfen und übe dabei immer mal wieder etwas Neues ein - wenn das klappt, probiere ich es auch im Spiel. Allerdings wäre auch das nicht möglich ohne die Vorarbeit meiner Mitspieler und das Spielsystem: Da setzen wir statt auf Würfe aus dem Rückraum jetzt mehr auf Durchbrüche und Kreisanspiele, wodurch wir auch mehr Siebenmeter als zuvor zugesprochen bekommen.

Das Gespräch führte Robert Giese

Quelle: Hanauer Anzeiger vom 26.11.2022
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