Dienstag, 13.08.2019 - Bericht von Thomas  
Männer 1:
HSG-Coach Olli Schulz im Interview: ‘Wir wollen das Maximale rausholen‘
Vorfreude und Anspannung vor dem ersten Auftritt im DHB-Pokal
Am Samstag geht es endlich wieder los. Dann steht das erste Pflichtspiel der HSG Hanau in der Saison 2019/20 auf dem Programm. Und das hat es gleich in sich. Beim „First Four“ im DHB-Pokal erwarten Sebastian Schermuly und Co. den TV Hüttenberg zum Hessenderby in der Main-Kinzig-Halle (20 Uhr). Bereits zuvor treffen im ersten Halbfinale der ThSV Eisenach und Bundesligist HC Erlangen aufeinander (17 Uhr). Eine gut gefüllte Halle ist also vorprogrammiert.


Vor dem Start haben wir uns mit Olli Schulz über den Stand der Dinge unterhalten. Im Interview spricht unser neuer Chefcoach über den Leistungsstand der Mannschaft, die Neuzugänge und die Vorfreude auf das große Pokal-Wochenende.

Die lange Vorbereitung neigt sich ihrem Ende entgegen. Am 17. August geht es im DHB-Pokal gegen den Zweitligisten TV Hüttenberg. Wie bereit seid ihr für dieses mit großer Spannung erwartete Hessenderby?
Sicherlich ist der TV Hüttenberg momentan eine Orientierung, um zu sehen, was die HSG von einem etablierten Zweitligisten unterscheidet. Wie bereit wir sind, wird man am Samstag sehen. Wir freuen uns aber auf diese Partie und wollen aus uns das Maximale rausholen.

Du bist jetzt seit gut zwei Monaten Trainer bei der HSG Hanau. Wie hast du dich bisher eingelebt?
Gut. Glücklicherweise komme ich nicht in ein mir komplett fremdes Umfeld. Die Mannschaft besteht aus richtig guten aber auch unterschiedlichen Typen. Das ist herausfordernd, macht aber unglaublich viel Spaß.

Gibt es etwas, was du so nicht erwartet hättest an deiner neuen Wirkungsstätte?
Ich war von mir selbst überrascht, dass ich doch sehr zurückhaltend gestartet bin. Nach 5 Jahren als Trainer in Babenhausen auf einmal komplett neue Gesichter vor sich stehen zu haben, war schon ungewohnt. Ansonsten ist hier natürlich Vieles einfach größer, wenn ich alleine an die Teampräsentation im Forum Hanau denke. Ich freue mich jetzt schon auf die MaKi, den Blauen Block und die einmalige Atmosphäre in der Halle.

Was natürlich alle brennend interessiert, wie beurteilst du den aktuellen Stand der Mannschaft? Die Ergebnisse in der Vorbereitung waren durchwachsen.
Aktuell sind wir ziemlich drüber, was Input und Intensität angeht. Die letzten Tage haben wir uns ehrlich gesagt durchgeschleppt und haben viele Vorsichtsmaßnahmen nach der Verletzung von Yannik getroffen, um zum Saisonstart auf möglichst viele Ressourcen im Team zurückgreifen zu können. Wir haben die letzten beiden Turniere ohne acht, zuletzt ohne fünf Jungs gespielt. Das hat Spuren hinterlassen. Das aktuelle Loch will ich aber nicht überbewerten. Wir brauchen jetzt kleine Erfolgserlebnisse, die uns helfen den Schalter umzulegen. Ich sehe ein sehr großes Potenzial, in jedem Einzelnen und der Gruppe.

Welche Schwerpunkte hast du im Training gelegt?
Wir. Oli Lücke und ich arbeiten gemeinsam. Es ist vermutlich kein Geheimnis, wenn ich sage, dass zu Beginn an den physischen Voraussetzungen gearbeitet wurde. In der Abwehr haben wir uns darüber hinaus weiterentwickelt – individuell aber auch als Mannschaft.

Mit Michael Malik, Matthias Schwalbe und Daniel Wernig sind drei neue Spieler dabei. Wie läuft der Integrationsprozess des Trios?
Alle drei sind voll akzeptiert und haben sich eingefunden. Im Spiel wird es noch einige Zeit brauchen. Michi, Matze und Daniel haben einen großen Anspruch an sich selbst. Wir haben aber keine Maschinen verpflichtet, sondern drei sehr gute Typen, charakterlich wie sportlich, die im Zusammenspiel mit ihren neuen Kollegen noch etwas Zeit benötigen und bekommen.

Hat dich irgendjemand aus dem Kader besonders überrascht?
Mir haben alle Jungs sehr imponiert. Die Zeit für Überraschungen kommt meiner Meinung nach erst, wenn jedes Rädchen in das andere greift. Gefreut hat mich allerdings, dass die beiden „Küken“ Henrik Graichen am Kreis und Fabian Tomm im Tor, unter Beweis stellen konnten, dass das Team auf sie zählen kann.

Mit Tarek Marschall (HC Erlangen) und Jannik Ruppert (Kreuzbandriss) fehlen dir plötzlich zwei Spieler, die vor der Runde fest eingeplant waren. Was bedeutet das für das Spiel der HSG?
Zunächst mal heißt das, dass zwei wichtige Bausteine fehlen. Tarek versucht den Sprung nach ganz oben. Dass kann und darf man einem Spieler nicht verwehren. Er weiß, wo er herkommt und wird sich vielleicht eines Tages daran erinnern und dann mit vielen wertvollen Erfahrungen zurückkehren. Janniks Verletzung ist für uns alle, in erster Linie aber für ihn, sehr bitter und traurig. Er hat so viel Power, ist unglaublich positiv. Wenn ich sehe, wie er jetzt schon wieder individuell arbeitet, würde ich sagen, der Typ ist ein Profi. Du absolvierst 75% der Vorbereitung, machst einen falschen Schritt und die Saison ist gelaufen. Aber er ist bei uns und das tut sehr gut, denn er versprüht trotz dieses Tiefschlags sehr viel positive Energie. Der Junge ist und bleibt unglaublich wichtig für die Mannschaft.

Auf welchen Spielstil dürfen sich die Fans von der HSG Hanau in der nächsten Saison freuen?
Hier und da wird es dem ein oder anderen wild vorkommen. Es wird ein paar Neuerungen geben. Aber wir wollen alle Jungs in unserem Konzept „verarbeiten“ und bestmöglich zum Einsatz bringen. Es werden Fehler passieren, davon lebt dieses Spiel. Wir wollen aber das Heft in die Hand nehmen und den Gegner zu mehr Fehlern zwingen. 60 Minuten hohe Intensität, kampfbetont und unsere Fans mitreißen.

Für dich wird das Spiel gegen Hüttenberg dein erstes Pflichtspiel in der Main-Kinzig-Halle. Die Halle dürfte ziemlich voll sein. Was überwiegt gerade bei dir Anspannung oder Vorfreude?
Ich bin am Spieltag stets angespannt aber die Vorfreude ist enorm. Jeder Trommelschlag, jedes Tor, wird was Besonderes sein. Jeder von uns hat auf der Tribüne Menschen sitzen, die wirklich wichtig sind. Denen wollen wir eine große Freude bereiten und etwas zurückgeben. Am liebsten schon am Samstag. 
Artikel geschrieben von Thomas am 13.08.2019