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Brüggemann wirft HSG Hanau in letzter Sekunde zum Derby-Sieg in Bieberau
Foto: HSG Hanau
Bericht
Samstag, 20.11.2021|Bericht von Marius Duis|13.755 Klicks
Brüggemann wirft HSG Hanau in letzter Sekunde zum Derby-Sieg in Bieberau
Trotz Sechs-Tore-Rückstand! Blauer Block treibt Schermuly & Co. zum Sieg
Was für eine Dramatik! Mit seinem Treffer in letzter Sekunde brachte Hanaus Marius Brüggemann den Blauen Block zur Explosion und sicherte den nicht mehr für möglich gehaltenen 23:22 (6:9)-Erfolg seiner Grimmstädter im Derby bei den Falken der HSG Bieberau/Modau und damit auch die Verteidigung der Tabellenführung in der 3. Handball-Liga, Staffel E.
Über die gesamte Spielzeit lag die HSG Hanau nicht ein einziges Mal in Führung, bis eben zur letzten Sekunde des Spiels. Mit seinem überhaupt ersten Treffer des Tages belohnte Brüggemann die unglaubliche Moral der HSG Hanau. Angefeuert von rund 150 mitgereisten Fans des Blauen Blocks holte das Team von Trainer Hannes Geist zunächst einen sechs Tore Rückstand auf und drehte mit der letzten Aktion die Partie.

Im Video: Brüggemann trifft zum Sieg und bringt den Blauen Block zum ekalieren

„Über die letzten 15 Minuten bin ich sehr glücklich. Was für eine Energie- und Willensleistung die Jungs hier an den Tag gelegt haben, ist der Wahnsinn“, lobte Hanaus Trainer Geist sein Team.

Mehr als 700 Zuschauer sahen an diesem Freitagabend ein hoch spannendes Derby. In der Großsporthalle im Wesner sorgten sowohl die Heimfans als auch die mitgereisten Gästefans des Hanauer Blauen Blocks für beste Handball-Atmosphäre. Das Spiel war von Beginn an geprägt durch zwei überragend agierende Abwehrreihen. Durch den Treffer von Lucas Lorenz stand es nach 16 Minuten lediglich 4:4. In der Folge gelang den Falken immer öfter ein Durchbruch und sie konnten sich leicht absetzten. 

Die HSG Hanau arbeitete viel, konnte sich vor dem Tor aber nicht belohnen und rannte sich oft in der Deckung der Gastgeber fest. Mit einem Rückstand von 6:9 ging es in die Halbzeit. „Wir haben uns in der ersten Hälfte nicht für unsere Arbeit belohnt. Die kompromisslose Deckung der Falken hat es uns sehr schwer gemacht“, analysierte Geist.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs verschärfte sich die Situation der Hanauer zunehmend. Ein stark aufspielender Lars Spieß konnte immer wieder Nadelstiche für seine Falken setzen. Mit sechs Treffern war er auch am Ende des Abends bester Werfer seiner Mannschaft. Der Treffer von Simon Brandt in der 41. Spielminute ließ den Rückstand der Hanauer auf 10:16 heranwachsen. Geist: „In der ersten Viertelstunde des zweiten Durchgangs sind wir etwas vom Matchplan abgekommen.“

Der HSG-Coach reagierte und nahm ein Team-Timeout. Für den Rest des Spiels sollte nun die über die Vorbereitung akribisch erlernte zweite und deutlich offensiver ausgerichtete Deckungsvariante herhalten. „Wir hatten sie einstudiert und in diesem Moment nichts mehr zu verlieren“, sagte Geist.

Diese Umstellung und erhöhte Risikobereitschaft zeigte ihre volle Wirkung. Zudem ließ ein starker Sebastian Schermuly mit tollen Paraden den Gegner ein ums andere Mal verzweifeln. Und so brachte man mit viel Willen und Teamgeist das Momentum dazu, auf die Hanauer Seite zu wechseln. 

Der deutliche Vorsprung der Falken schmolz konstant dahin. Vier Minuten vor Spielende war Hanau wieder da. Nicht zuletzt dank eines nervenstarken Max Bergold, der zwischen der 55. Und 57. Minute drei Siebenmeter verwandeln konnte und die HSG auf 21:21 heranbrachte. Angepeitscht von den Zuschauern, bahnten sich dramatische Schlussminuten in Bieberau an. 

Noch zwei Minuten waren auf der Uhr zu spielen, 22:22 lautete der Spielstand. Gastgeber Bieberau in Ballbesitz. Doch den Hanauern gelang es nochmal, den Angriffsversuch der Falken zu unterbinden und sie erhielten im Gegenzug zum Unmut der heimischen Fans erneut einen Siebenmeter zugesprochen. In der Folge erhielt Bieberaus Coach Thorsten Schmid eine Zeitstrafe. Doch dieses Mal scheiterte Bergold vom Punkt. Allerdings blieben die Gäste in Ballbesitz. 

Mit einem Mann mehr auf dem Feld und noch zehn Sekunden zu spielen, nahm Trainer Geist nochmals ein Team-Timeout. Die Zeit lief runter, der letzte Spielzug begann und Brüggemann bekam den Ball. Synchron mit dem Ablauf der 60 Minuten Spielzeit verwandelte er ins Tor und versetzte alle Hanauer in Ektase. 

Einmal mehr belohnte sich die HSG Hanau für ihre starke Mentalität und ihren Kampfgeist. Dieses Spiel wird sicher unvergessen bleiben in der Geschichte der Grimmstädter und natürlich ganz besonders für Marius Brüggemann. Ausgerechnet das Hanauer Eigengewächs, seit zwölf Jahren bei der HSG, Vize-Kapitän und auf und außerhalb des Parketts immer ein großes Vorbild, sorgte mit seinem Tor in der gesamten HSG-Familie für vorweihnachtliche Glückseligkeit. 

Durch diesen Willenssieg konnte die HSG Hanau die Tabellenführung verteidigen und steht mit 16:4 Punkten an der Spitze der Staffel E. Für Bieberau war es die dritte Niederlage in dieser Saison. Mit 13:7 Punkten befinden sich sie weiterhin auf Rang vier. Nächsten Samstag geht es für die HSG Hanau mit einem erneuten Auswärtsspiel weiter. Dann trifft das Geist-Team in der Dreifachsporthalle Miltenberg auf den TV Kirchzell.
Artikel geschrieben von Marius Duis am 20.11.2021
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